Dienstag, 19. April 2011
Industriekulturelles Erbe Sachsens bewahren und erlebbar machen

Prof. Dr. G. Schneider, MdL

Rede zum Antrag der CDU/FDP-Koalition

Industriekulturelles Erbe Sachsens bewahren und erlebbar machen

Drucksache Nr. 5/ 5552

I. Ausgangslage

Sachsen ist ein Land mit reichem kulturellem Erbe. Und Sachsen gehört seit Jahrhunderten zu den herausragenden Industriezentren auf deutschem Boden. Namentlich der sächsische Erzbergbau hat wesentliche innovative wirtschaftliche, aber auch kulturelle und soziale Impulse entwickelt, die bis in die Moderne Kraft ausstrahlen. Zu nennen sind nicht zuletzt auch zahlreiche bedeutende technische und industrielle Entwicklungen, die bei uns ihren Ursprung gefunden haben, wie etwa am Beispiel des Motoren- und Fahrzeugbaus deutlich wird, der in Sachsen seine Wiege hat. Im Ganzen betrachtet ist Sachsens Kultur in besonderer Weise von der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung geprägt.

Zahlreiche Industriedenkmale, die aus Industriestandorten, Fabrikanlagen und technologischen Errungenschaften hervorgegangen sind, legen Zeugnis über unsere Geschichte ab. Sie belegen aber vor allem eindrucksvoll, dass Sachsen in der Tat das Attribut „Land der Ingenieure“ mit Recht verdient.

Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen und all denjenigen Persönlichkeiten, Institutionen, Vereinen und Verbänden, die sich in den Dienst der Industriedenkmalpflege weithin ehrenamtlich stellen, von ganzem Herzen zu danken. Sie leisten unendlich Gutes und sie tun im besten Sinne Ehrenamt im höchsten Gemeinwohlinteresse! 

Ein Beispiel: Das Industriemuseum Chemnitz enthält eine umfangreiche Sammlung aus der sächsischen Industrie-geschichte. Die Exponate der Dauerausstellung sollen die technische Entwicklung sowie Zusammenhänge mit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Sachsens, der Region Chemnitz und des Erzgebirges vermitteln. Die Ausstellung zeigt Exponate aus den Bereichen

• Maschinenbau (Schwerpunkt Werkzeugmaschinenbau)

• Fahrzeugbau (Wanderer, Horch, Trabant u.a.)

• Flugmotorenbau

• Bahnwesen (Firma Hartmann)

• Textilindustrie

Der Besucher findet hier einen Schatz aus historischen, zeitgeschichtlichen und kulturellen Belegen, die für die ganze Region Chemnitz beispielhaft sind. Nichts anderes ergibt sich für das Besucherbergwerk und Mineralogische Museum Zinngrube Ehrenfriedersdorf, das Westsächsische Textil-museum Crimmitschau oder die Energiefabrik Knappenrode.

Hervorzuheben sind die zahlreichen Zeugnisse aus der Montanregion Erzgebirge, die eine in über 800 Jahren entstandene Industriekulturlandschaft in der Grenzregion zwischen Sachsen und Nordböhmen darstellt. Sie ist geprägt von einer Vielzahl historisch weitgehend original erhaltener technischer Denkmäler und von zahlreichen mit dem Bergbauwesen in Verbindung stehenden Objekten. Die Identität und Authentizität der montanen Kulturlandschaft des Erzgebirges beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze sind weltweit beispiellos.

II.

Meine Damen und Herren,

um der industriellen Geschichte und der damit verbundenen Tradition unseres Landes gerecht zu werden, versteht es sich von selbst, das industrielle Erbe Sachsens zu bewahren, zu pflegen und für die kommenden Generationen weiterhin erlebbar zu machen. Daraus ergibt sich aber vor allem auch eine gewaltige Herausforderung. Bei der Vielzahl der vorhandenen technischen Denkmale muss die Frage nach der Erhaltung ebenso gestellt werden wie die Frage nach der Nutzbarkeit. Dies führt zu unserem Antrag, mit dem die Koalitionsfraktionen an ihre Koalitionsvereinbarung anknüpfen, in der es heißt:

„  Wir werden ein schlüssiges touristisches Leitsystem entwickeln und unter anderem die Beschilderung von Sehenswürdigkeiten verbessern. Die Koalition regt die Ausweisung einer landesweiten „Straße der sächsischen Industriekultur“ an. …

Die Koalition bekennt sich damit zur Wahrung und Pflege des industriellen Erbe Sachsens. Wir wollen, dass das industriekulturelle Erbe bewahrt und es für die Jugend, aber auch die Gäste des Freistaates erlebbar macht. In diesem Rahmen sollen Unternehmen, Landkreise und Städte sowie das Land ihre Verantwortung unter Einbezug der Vereine und Verbände gemeinsam wahrnehmen. Daran wird meine Kollegin Fiedler in ihrem Redebeitrag anknüpfen.

III.

Meine Damen und Herren,

unter diesem Eindruck halten wir es für folgerichtig, die Staatsregierung zu ersuchen, die vierte Sächsische Landesausstellung unter dem Schwerpunkt des Sächsischen industriekulturellen Erbes mit Schwerpunkt in der Region Chemnitz zu konzipieren. Dort soll die nächste Landes-ausstellung im Wesentlichen stattfinden.

Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen und auf die 3. Sächsische Landesausstellung „via regia“ hinweisen, die von Mai bis Oktober 2011 in Görlitz stattfinden wird und unter dem Motto „800 Jahre Bewegung und Begegnung“ steht.

Die Ausstellung wird ein großer Erfolg werden! •So, wie mit der Via regia der Fokus auf Görlitz und die Region gerichtet ist, •so, wie die Ausstellung das Leben auf der alten Handelsstraße thematisiert, und •so, wie die Via regia die Geschichte von Distanzen und deren Überwindung erzählt, von den Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte auf ihr gereist, gepilgert und geflohen sind,

so soll nach unserer politischen Absicht die 4. Sächsische Landesausstellung die Region Chemnitz einschließlich des Erzgebirges und des Sächsischen Vogtlandes über die wunderbaren industriekulturellen Schätze im Ganzen Zeugnis ablegen.

Meine Damen und Herren,

das ist es – das ist unsere Botschaft: das industriekulturelle Erbe Sachsens legt Zeugnis über die große Sächsische Geschichte ab. Es ist Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg in der Gegenwart und es ist Innovationspotenzial für die Zukunft. Lassen Sie uns dies mit unserer Initiative hervorheben, bewahren und erlebbar machen. Wir bitten um Zustimmung.